Umsatzsteuerleitfaden für Unternehmen, die mit Lebensmittelprodukten handeln

Viele Unternehmen, die mit Lebensmittelprodukten handeln, denken häufig nicht vorrangig an die Umsatzsteuer. Denn aufgrund der kurzen Haltbarkeit der Produkte steht der schnelle Transport und Verkauf der Güter im Vordergrund.  Allerdings kann es leicht passieren, dass eine fälschliche Auslegung EU-Regeln zur Behandlung von Lebensmitteln zu einem Fehler in diesem Teil der Transaktion führen kann.

Dies kann zu ersten Konsequenzen wie Gewinneinbußen oder Verzögerungen bei der Zollabfertigung führen, aufgrund derer Produkte verderben können.  Daher müssen Unternehmen in diesem Bereich unbedingt vorausplanen.

Umsatzsteuerverrechnung

An erster Stelle müssen Unternehmen wissen, wo in der EU sie fällige Umsatzsteuer verrechnen müssen. Da Lebensmittel für umsatzsteuerliche Zwecke als Güter behandelt werden, bedeutet das, dass der Lieferort (d. h. der Ort, an dem die Umsatzsteuer verrechnet werden muss) gewöhnlich der Ort ist, an dem sich die Produkte beim Verkauf befinden.  Dies kann sich komplizierter gestalten, wenn hierbei Transport beteiligt ist. In dem Fall sollte eine weitere Analyse erfolgen, um Gewissheit zu erlangen.  Damit wird sichergestellt, dass die Umsatzsteuer im richtigen Land abgerechnet wird – und dass die richtigen Umsatzsteuerregeln angewendet werden (beispielsweise gelten die französischen Regeln dann nicht, wenn die Lieferung in Großbritannien erfolgt).

Sätze

Nahrungsmittel – wie rohes Fleisch und roher Fisch, Obst, Gemüse und Getränke (unter Ausnahme von Alkohol) – können je nach den Umsatzsteuerregeln eines bestimmten EU-Mitgliedsstaates dem Normalsatz oder ermäßigten Sätzen unterliegen.

Beispielsweise unterliegen in Großbritannien unverarbeitete Nahrungsmittel gewöhnlich dem Nullsatz, während bei Produkten wie Eis, Kartoffelchips und Süßware der Normalsatz von 20 % gilt.

Jedoch ist es bei Nahrungsmitteln nicht immer offensichtlich, welcher Umsatzsteuersatz auf eine Lieferung gelten soll.  In vielen Fällen musste der Satz von den Gerichten festgelegt werden, da sich die Steuerpflichtigen und Finanzämter nicht auf die Umsatzsteuersätze einigen konnten.  Zu den prominenteren Fällen gehören unter anderem:

  • Pringles – in diesem Fall ging es darum, ob der Nullsatz gelten sollte, da der Kartoffelanteil im Rezept unter den Wert fällt, ab dem es als ein Kartoffelchip zählt.
  • Jaffa Cakes – handelt es sich hierbei um Kuchen oder Kekse? Diese Unterscheidung war ausschlaggebend, ob der Nullsatz angelegt werden konnte oder nicht; und
  • Nesquik-Milchgetränke – es wurde akzeptiert, dass das Produkt mit Schokoladengeschmack unter den Nullsatz fällt, aber ein jüngster britischer Entscheid hat die Fruchtgeschmackssorten unter den Normalsatz gestellt.

Die Regeln zu den Umsatzsteuersätzen für Lebensmittel gestalten sich sehr kompliziert und können von einem EG-Mitgliedsstaat auf einen anderen abweichen. Daher ist dringend darauf zu achten, dass Sie auf Ihre Verkäufe den richtigen Betrag anlegen.  Sollte hier ein Fehler unterlaufen, wirkt sich dies zwar nicht auf den Vergütungsbetrag aus, aber das Produkt kann preislich nicht mithalten, falls ihre Wettbewerber keine Umsatzsteuer berechnen, während Sie das bei Ihrem Produkt tun.

Zusätzliche eg-pflichten

Da Lebensmittel für umsatzsteuerliche Zwecke als Güter gelten, müssen Sie die zusätzlichen Pflichten in Betracht ziehen, die beim grenzüberschreitenden Verkehr in der EU anfallen.  Wir haben im weiteren Verlauf die wichtigsten Punkte aufgeführt

Kettentransaktionen

Manchmal erfolgt eine Reihe von Transaktionen, bevor die Produkte schließlich vom Endverbraucher gekauft werden.  Wenn dies passiert und die Güter gleichzeitig grenzüberschreitend gehandelt werden, ist es sehr wichtig, zu identifizieren, welches Unternehmen in der Lieferkette für die Grenzüberschreitung zuständig ist. Dies kann nur ein einziges Unternehmen sein.  Dies ist erforderlich, da Unternehmen zusätzliche Konformitätsregeln erfüllen und die Erfassung nachweisen müssen, um den Umsatzsteuersatz zu stützen.  Das Verfahren, nachdem dieses Unternehmen identifiziert wird, hilft auch den restlichen Unternehmen in der Lieferkette bei der Identifizierung, in welchem Land sie ihre Lieferungen machen. Dieses Verfahren ist alles für alle Beteiligten sehr wichtig.

Lager- oder Konsignationsbestand

Bei diesem Verfahren lagert ein Unternehmen seinen Bestand in einem anderen EU-Mitgliedsstaat, bis der Kunde die Güter benötigt.  Die Lieferung erfolgt auf Anfrage – diese Lieferkettenmethode wird häufig in der Lebensmittelindustrie verwendet, um Lieferzeiten zu beschleunigen, oder auch, wenn lokale Waren gekauft werden, um sie den gleichen lokalen Markt zu beliefern.

Wenn ein Steuerpunkt entsteht (d. h. wenn Umsatzsteuer anfällt), sollte im Voraus bestimmt werden, wo dies gilt und welche Partei für die Abrechnung der Umsatzsteuer zuständig sein wird.  Dies ist wichtig, da in manchen Ländern Vereinfachungen gelten, wonach die Umsatzsteuerabrechnung an den Kunden übergeben werden, wohingegen in anderen Ländern erwartet wird, dass Lieferanten diese Funktion erfüllen.  Die Kenntnis der spezifischen Regeln wird die Pflichten eines Unternehmens beeinflussen und sich darauf auswirken, wie ein Unternehmen diese Pflichten verwaltet.

Intrastat

Intrastat ist ein EU-übergreifendes System zur Datensammlung von Händlern, um einen Überblick über den Ein- und Ausgang von Gütern zwischen den Mitgliedsstaaten der EU zu gewinnen. Intrastat sammelt nur Daten zu Gütern, nicht zu Dienstleistungen.

Intrastat-Meldungen müssen erfolgen, sobald der Wert der Verkäufe eines Unternehmens die Schwellen eines anderen EU-Mitgliedslandes überschreiten. Intrastat-Schwellen unterscheiden sich in jedem Land und können jährlich geändert werden. Daher ist es sehr wichtig, dass Sie immer mit den aktuellsten Zahlen auf dem laufenden Stand bleiben, die für Ihr Unternehmen gelten.

Zusammenfassende Meldungen

Wenn ein Unternehmen Lieferungen an ein zu Umsatzsteuerzwecken registriertes Unternehmen in einem anderen EU-Mitgliedsstaat Lieferungen vornimmt, muss es Zusammenfassende Meldungen machen.  Diese Unterlagen geben den Wert der Güter an, identifizieren den Kunden (anhand der Umsatzsteuerident-Nummer) und machen kenntlich, ob Güter oder Dienstleistungen geliefert werden.  Hier gibt es keine Schwelle, die zu überschreiten wäre. Daher muss ein Unternehmen seine Pflichten bei der Einreichung verstehen, damit die Meldungen fristgerecht erfolgen.

Auf dem heutigen globalen Markt, wo Nahrungsmittelerzeuger gegen Firmen aus dem In- und Ausland in Konkurrenz stehen, hängt der Erfolg einer Transaktion davon, die Steuerfragen von Anfang an richtig zu machen.  Accordance verfügt über Fachberater in diesem Bereich, die gerne mit Ihnen alle Fragen besprechen.

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