Unternehmen mit reihengeschäften

Die Lieferung und der Vertrieb von Gütern wie Chemikalien, Düngemitteln und Nahrungsmitteln können über eine Reihe verschiedener Lieferketten erfolgen. In manchen Fällen gestalten sich diese komplex mit vielen beteiligten Parteien wie Erzeugern/Herstellern, Vertreibern, Händlern und Wiederverkäufern.

Eine große Lieferkette entsteht häufig bei einer Beteiligung von Vertreibern, die große Mengen umschlagen, welche kleine Wiederverkäufer und Zwischenhändler nicht bewältigen können.   In diesem Fall führt dies zu vielen Lieferungen zu einem geringen Wert, um für die Endverbraucher auf dem Markt zugänglicher zu sein.  Mehr Transkationen bedeutet jedoch, dass aus der Umsatzsteuerperspektive mehr Lieferungen betrachtet werden müssen.

In diesen Lieferketten können Komplikationen auftreten, wenn ein Zwischenhändler verhindern will, dass sein Kunde die Identität seines Lieferanten kennt, normalerweise um seine kommerzielle Stellung zu schützen.  Als Folge der Trennung der beiden Parteien muss der Zwischenhändler an der Lieferkette „beteiligt“ werden – was bedeutet, dass er das rechtliche Eigentum übernehmen und möglicherweise den Gütertransport organisieren muss.

Diese Handlungen können zu beträchtlichen Konformitätsauflagen aus Umsatzsteuersicht führen, die wir im weiteren Verlauf erläutern.

Gütereinfuhr

Wenn ein Zwischenhändler Güter außerhalb der EU bezieht und sie an Kunden in der EU weiterverkaufen möchte, präsentiert der Zwischenhändler die Güter gewöhnlich der Zollabfertigung im eigenen Namen (d. h. als der Einführer).

Normalerweise muss der Zwischenhändler bei der Einfuhrumsatzsteuer –sowie Einfuhrabgaben entrichten.  Wenn der Einfuhrmitgliedsstaat auch der Mitgliedsstaat ist, in dem der Zwischenhändler seinen Sitz hat, dann sind die Rückerstattung dieser Einfuhrumsatzsteuer und der folgende Verkauf normalerweise unkompliziert.

Wenn jedoch Güter in einen Mitgliedsstaat importiert werden, in dem der Zwischenhändler nicht etabliert ist, kann die Sache kompliziert werden.  Wenn beispielsweise die erweiterte Umkehrung der Steuerschuldnerschaft zutrifft, ist keine Umsatzsteuerregistrierung erforderlich.  In mancher Hinsicht ist dies zwar positiv (d. h.  es müssen in Zukunft keine Umsatzsteuererklärungen eingereicht werden), die Einfuhrumsatzsteuer fällt jedoch immer noch an, und da keine Umsatzsteuerregistrierung besteht, kann sie nur über einen Erstattungsantrag nach der Richtlinie erstattet werden.

Die antragsmäßige Erstattung der Umsatzsteuer kann zu mehreren Monaten Wartezeit führen, was im Vergleich zu einer Umsatzsteuererklärung je nach Umsatzsteuersatz und -betrag zu einer beträchtliche Einnahmeunterdeckung führen kann.  Die Kosten einer Vorfinanzierung derartiger Beträge wirkt sich auf stark auf den Cash Flow eines Unternehmens aus, und daher sollten Unternehmen die Möglichkeiten in Betracht ziehen, um diese Auswirkung oder den Bedarf zur Vorfinanzierung dieser Umsatzsteuer zu mindern.

Falls eine Umsatzsteuermeldung nicht erforderlich ist, muss immer noch das Management der Einfuhrformalitäten in Betracht gezogen werden, insbesondere der Bedarf nach einer Registrierung und Identifizierung von Wirtschaftsbeteiligten (EORI)-Nummer.  Eine einzige EORI-Nummer wird nicht immer in allen Rechtsprechungen gelten, und wenn Güter in einen Mitgliedsstaat eingeführt werden, in dem ein Zwischenhändler nicht etabliert ist, kommt es häufig zu Verzögerungen beim Zoll, während die korrekte EORI-Nummer eingeholt oder beantragt wird.

Lieferung innerhalb eines EU-mitgliedsstaates

Wenn Güter einen Mitgliedsstaat nicht verlassen, fällt häufig lokale Umsatzsteuer an. Falls der Lieferant im Lieferland etabliert ist, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit Umsatzsteuer auf seine Lieferung an den Zwischenhändler berechnen.

Wie der Zwischenhändler diese Umsatzsteuer erstattet, hängt von den Umständen seiner Weiterlieferung an den Endverbraucher ab.  Dies muss in Betracht gezogen werden, damit der Standpunkt der Umsatzsteuerregistrierung bestätigt werden kann und ein Verständnis besteht, wie die Umsatzsteuer auf Kosten rückerstattet wird.

Viele EU-Mitgliedsstaaten haben inländische Verfahren zur Umkehrung der Steuerschuld eingeführt, um die Anforderungen an nicht-etablierte Lieferanten zu mindern, die sich in ihren Ländern zur Umsatzsteuer anmelden müssen.  Die Regeln in Bezug auf die Umkehrung der Steuerschuld gelten jedoch nicht einheitlich für jeden EU-Mitgliedsstaat und in manchen Staaten gibt es sie gar nicht.

Wichtig ist, dass der Zwischenhändler versteht, ob und wie eine erweiterte Umkehrung der Steuerschuld auf eine besondere Transaktion zutrifft.  Dies ist unerlässlich, um zu wissen, welche Maßnahmen (falls überhaupt) in Bezug auf die Umsatzsteuerpflichten zu ergreifen sind.  Daher raten wir Unternehmen, stets die besonderen Regeln des Landes zu prüfen, in dem eine Lieferung erfolgen kann, um in dieser Frage sicher zu gehen.

Lieferung zwischen zwei Mitgliedsstaaten – Triangulation

Unter manchen Umständen werden Güter von einen Lieferanten an einen Zwischenhändler und dann weiter an einen Kunden verkauft, die jeweils unterschiedlichen EU Mitgliedsstaaten angehören.  Allerdings wird die Lieferung direkt vom Lieferanten an den Endkunden geliefert.  Dieses Szenario wird in der Abbildung unten dargestellt.

Triangulation_de

Bei diesem Szenario können wegen der Kombination aus verschiedenen Ländern, Unternehmen und Liefermethoden aus Umsatzsteuersicht Komplikationen entstehen.  Jedoch tritt diese Art der Lieferkette häufig auf und es ist daher wichtig, dass alle Parteien ihre Umsatzsteuerpflichten verstehen.

Gewöhnlich kann in diesen Umständen eine Vereinfachung angelegt werden, die als „Triangulation“ bekannt ist.  Wenn dies möglich ist, können der Bedarf nach zusätzlichen Umsatzsteuerregistrierungen und auch einige Konformitätsanforderungen reduziert werden.  Jedoch unterliegt die Anwendung strengen Kriterien und muss daher in Betracht gezogen werden, bevor eine Lieferung stattfindet, falls die rückwirkende Anwendung gesperrt wird.

Lieferung zwischen zwei mitgliedsstaaten – kettentransaktionen

In Fällen, in denen die oben beschriebene Vereinfachung der Triangulation nicht angewendet werden kann, tritt stattdessen eine sogenannte Kettenreaktion ein.

In einer überschaubaren Kette mit nur einem Zwischenhändler werden die Güter nur einmal zwischen Ländern transportiert, aber es finden zwei Lieferungen statt.  Wichtig ist hierbei, festzustellen, bei welcher Lieferung es sich um Warenverkehr in der EU und welcher um eine inländische Lieferung handelt. Sollte hierbei ein Fehler auftreten, kann dies  eine falsche umsatzsteuerliche Behandlung zur Folge haben, was Bußzahlungen, zusätzlichen Umsatzsteuerzahlungen und nicht abzugsfähiger Umsatzsteuer nach sich ziehen kann.

Wir verfügen über umfangreiche Erfahrung bei der Prüfung dieser Art von Lieferketten (einschließlich derer mit mehreren Parteien und grenzüberschreitendem Verkehr) und bestimmen anhand der Urteile des Europäischen Gerichtshofs und unterschiedlicher Steuerbehörden (die sich nicht immer einig sind), welche Umsatzsteuerbehandlungen gelten sollen.  Wenn dies im Voraus erfolgt, wird die richtige Umsatzsteuerbehandlung gewährleistet und es können sich weniger Fehler einschleichen.

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