EU – Sind Sie bereits auf das Jahr 2015 vorbereitet?

Am 1. Januar 2015 treten die letzten, bereits verabschiedeten umsatzsteuerrechtlichen Änderungen in Kraft. Die in der EU ansässigen Anbieter von Telekommunikationsleistungen, Rundfunk- und Fernsehleistungen sowie von elektronisch erbrachten Dienstleistungen werden ab diesem Zeitpunkt verpflichtet sein, anders mit der Erhebung von Mehrwertsteuer für Leistungen an Endverbraucher umzugehen.

Was ändert sich?

Gemäß den bisher in der EU geltenden Umsatzsteuervorschriften sind in der EU ansässige Unternehmen, die Telekommunikationsleistungen , Rundfunk-/Fernsehleistungen oder elektronische Dienstleistungen an private Verbraucher erbringen, verpflichtet, Mehrwertsteuer in Höhe desjenigen Satzes zu erheben,  der in dem EU-Mitgliedstaat gilt, in dem sie, die Anbieter, ihren Sitzes haben.
Zum 1. Januar 2015 wechselt der umsatzsteuerechtliche Leistungsort von dem Land, in dem der Leistungserbringer seinen Sitz hat, in das Land, in dem der Verbraucher seinen Wohnsitz hat.  Dies bedeutet, dass Unternehmen Mehrwertsteuer in Höhe desjenigen Satzes zu erheben haben werden, der in dem EU-Wohnsitzland des jeweiligen Kunden gilt, anstatt wie bisher für alle Geschäfte mit privaten Verbrauchern einheitlich einen Mehrwertsteuersatz zugrunde zu legen.
Die Vorschriften betreffend die Erhebung von Mehrwertsteuer im Verhältnis von Unternehmen untereinander ändern sich dagegen nicht.

Warum kommt es jetzt zu diesen Änderungen?

Aktuell gibt es bei der Erhebung von Mehrwertsteuer auf die genannten Arten von Leistungen ganz erhebliche Unterschiede hinsichtlich des maßgeblichen Mehrwertsteuersatzes. Zum Beispiel hat ein Anbieter von elektronischen Büchern (eBooks) mit Sitz in Luxemburg den Vorteil, einen mit 3 % deutlich niedrigeren Mehrwertsteuersatz als in Ungarn erheben zu können, wo ein entsprechender Anbieter einen Mehrwertsteuersatz von 27 % zugrunde legen und entsprechend abrechnen muss. Die Anwendung der neuen Vorschriften wird diesbezüglich zu einem Niveauausgleich zwischen allen in der EU ansässigen Unternehmen führen.
Die neuen Vorschriften bringen die in der EU ansässigen Unternehmen außerdem auf eine Ebene mit den Unternehmen außerhalb der EU, für die die gleichen Regelungen bereits seit dem Jahr 2003 gelten.

Wie wirkt sich die Änderung auf Unternehmen aus?

Die Änderung bezüglich der Erhebung von Mehrwertsteuer nach Maßgabe des Wohnsitzes des Verbrauchers würde es normalerweise erforderlich machen, dass Unternehmen sich jeweils in sämtlichen Ländern zur Umsatzsteuer anmelden, in denen sie Leistungen an Verbraucher erbringen, und dass sie die dort jeweils zu erhebende Mehrwertsteuer in Rechnung stellen. Um jedoch eine umsatzsteuerrechtliche Registrierung in einer Vielzahl von Staaten zu verhindern, gibt es die Einorts-Registrierung (Mini-One-Stop-Shop, MOSS) bei einer einzigen Meldestelle. Auf diese Weise brauchen  Unternehmen sich lediglich einmal in dem EU-Mitgliedstaat zur Umsatzsteuer anmelden, in dem sie ihren Sitz haben. Mehrwertsteuer ist dann in Höhe des in dem Land des Leistungsorts geltenden Mehrwertsteuersatzes zu erheben und über das MOSS-System online zu melden.
Die britische Finanz- und Zollverwaltung HMRC hat mitgeteilt, dass eine MOSS-Registrierung ab Oktober 2014 möglich sein wird.

Was Unternehmen im Auge behalten und berücksichtigen sollten:

  •     Für welche Leistungen gelten die neuen Vorschriften?
    Es mag einfach sein zu definieren, was mit Telekommunikations- sowie Rundfunk- und Fernsehleistungen gemeint ist, möglicherweise ist jedoch in dem einen oder anderen Fall unklar, ob eine Leistung elektronisch erbracht wird.
  •     Welcher Mehrwertsteuersatz ist bei der Rechnungsstellung zugrunde zu legen?
    In den EU-Mitgliedstaaten gelten jeweils unterschiedliche Mehrwertsteuersätze, wobei in manchen Staaten für bestimmte Leistungen auch ermäßigte Sätze zu berücksichtigen sind.
  •     Preisgestaltung
    Im Moment wissen die Unternehmen, welcher Mehrwertsteuersatz anzuwenden ist, und sie haben ihre Preise entsprechend angepasst. Ab dem Jahr 2015 müssen die Unternehmen jedoch verschiedene Mehrwertsteuersätze und ihre jeweilige Auswirkung auf die Preisgestaltung berücksichtigen.
  •     Änderungen an den Unternehmenssystemen und in der Buchführung
    Unternehmen müssen in der Lage sein, den Standort ihres jeweiligen Kunden zu erkennen, und sie müssen sicherstellen, dass Mehrwertsteuer in dem und für das zutreffende Land erhoben wird. Dabei können sich Methoden der Lokalisierung von Kunden auf Kriterien wie die IP-Adresse des Kunden, Bankkartendaten, Landesvorwahlen, eigene Angaben des Kunden usw. stützen.
  •     Vorschriften betreffend den Nutzungsort
    Gegebenenfalls sind auch weiter Umstände zu berücksichtigen, nämlich etwa wenn die Vorschriften betreffend den Nutzungsort zu beachten sind. Wenn zum Beispiel ein nicht in der EU ansässiger Kunde Leistungen erwirbt, die tatsächlich innerhalb der EU in Anspruch genommen werden, kann gegebenenfalls europäische Mehrwertsteuer zu erheben sein.
  •     Übergangsregelungen
    Der Inhalt von Übergangsvorschriften wird derzeit noch erörtert, die Unternehmen werden jedoch darauf achten müssen, wann genau sich die neuen Vorschriften auf sie auswirken, denn dies mag in manchen Fällen bereits vor dem 1. Januar 2015 der Fall sein.
  •     Umsatzsteuererstattung
    In der EU angefallene Umsatzsteuer kann nicht über das MOSS-System erstattet werden. Statt dessen werden Unternehmen einen EU-Erstattungsantrag stellen müssen.

So kann Accordance Ihnen behilflich sein
Accordance bietet Unternehmen eine unverbindliche und unentgeltliche Erstberatung darüber an, ob die obigen Änderungen sich auf Sie auswirken.
Sollten Sie mit entsprechenden Auswirkungen rechnen müssen, ist Accordance Ihnen auf Wunsch durch Vornahme einer genaueren Prüfung  in Bezug auf Ihr Unternehmen und durch Erstellung eines maßgeschneiderten Maßnahmeplans behilflich, sodass Sie alle Vorkehrungen treffen können, um auf die in Kraft tretenden Änderungen vorbereitet zu sein.

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Wenn Sie weitere Informationen wünschen, können Sie sich über die folgenden Kanäle an uns wenden:

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